Theaterkritiken zu „Sassabumm“
Viel Poesie, Klamauk und Schokolade.
Im Kindertheater Rootslöffel feierte „Sassabumm“
eine temporeiche Premiere.
Was wünscht man sich als Dreikäsehoch? Richtig. „Süßigkeiten“, wie ein begeisterter Zuschauer laut in die Premiere von „Sassabumm“ am Kindertheater Rootslöffel in Gostenhof hineinkräht. Aber ob Schokolade oder nicht - das ist nicht das einzige Wunschproblem der drei Protagonisten und Freunde „Herr Otto Premisszl“, „Stöpsel“ und „Mucke“. So spannt sich vor einer Bauklötzchen-Kulisse aus drei bunten Bühnenelementen, die wahlweise zu Haus, Auto, Schiff oder Zirkus zusammengeschoben werden, in der Regie von Rootslöffel-Gründungsmitglied Frizz Lechner eine im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Geschichte über Freundschaft und Moral auf.
Freilich alles andere als moralinsauer. Etwas klamaukig und zäh beginnt die Geschichte: Mucke(Katrin Seidel, wunderbar vielseitig) ist traurig, weil ihre beiden Freunde Stöpsel(ein Energiebündel: Julia Pappenberger) und Herr Otto Premisszl(in seiner Begeisterung ansteckend: Tobias Hacker) sie verlassen haben. Der eine will an die Nordsee, um seinen Fuß zu waschen, der andere auf Kur. Was gelogen ist - beide suchen heimlich einen Schatz.
Und dann macht es bumm: Das Ensemble verwandelt auf der Schatzsuche das Kindertheater in einen tobenden, temporeichen Ort der gewitzten Fantasie, egal ob durch gelungene A-Cappella-Nummern, während einer urkomischen Autofahrt oder bei einer Zirkusparodie, während der Katrin Seidel zu einer Art Alf Poier für Kinder wird.Poetisch ist das Schattenspiel „Reise zum Mond“, berührend die Entdeckung des Wertes der Freundschaft. Nach über 50 Minuten gibt`s verdienten, langen Applaus und eine Premierenfeier. Mit, richtig: Süßigkeiten.
Abendzeitung Nürnberg, Martin Mai, am 4.10.2010
Geheimer Wort-Schatz
„Sassabumm“: Saisonstart im Theater Rootslöffel
Das Kindertheater Rootslöffel startet mit dem Motto „Sassabumm“
fröhlich-unterhaltsam in eine neue Saison.
Die Kinderheater-Hochburg Nürnberg verkraftet zwei Konkurrenzveranstaltungen an einen Tag locker: Rappelvoll war es auf den niedrigen Zuschauerbänken bei der „Rootslöffel“-Premiere. Neu auf dem Spielplan: „Sassabumm“, ein in
den 80er Jahren von einem Schauspieler- Quartett verfasstes Stück für Kinder ab 4 Jahren. So rasant und resolut, zauberhaft und humorvoll wie der Titel es nahelegt, geht auch Regisseur Frizz Lechner mit seinem engagierten Darsteller-Trio zur Sache bei dieser abenteuerlichen Schatzsuche. Die ist das vordergründige Thema und zeigt gleichzeitig, wie wertvoll Freundschaft, Vertrauen und Versöhnen ist.
Den geheimnisvollen Schatz wollen Herr Otto Premisszl(Tobias Hacker mit wunderbar komischer „Professor Börne“-Attitüde) und Stöpsel(Energiebündel Julia Pappenberger als Drachenjägerin) jeweils alleine heben; erfinden dafür Notlügen und machen sich heimlich auf den Weg mit ihrem Lageplan. Vorbei ist damit das gemeinsame
Hausbau-Spiel mit Mucke(Katrin Seidel als weißer Engel), die den Mond so sehr liebt und mit ihrer Sehnsucht alleine ohne Freunde zurückbleibt.Ruckzuck finden die drei aber wieder zusammen und entdecken gemeinsam den Schatz,
den sie sich allerdings ganz anders vorgestellt haben: Nicht Gold und Mondstaub, Drachen oder Edelsteine ziehen sie aus dem geheimnisvoll dampfenden Loch, sondern einen Wort-Schatz: „Sassabumm!“. Damit lässt sich zaubern, aber auch allerlei Unheil anrichten...Die Jagd nach dem Schatz ist im ebenso schlichten wie flexiblen Bühnenbild mit
rasanten Autofahrten, Kletterpartien und Mondexpeditionen ziemlich abenteuerlich und wird keineswegs schnurgerade verfolgt. Schließlich muss Zeit zum Hausbau8mit Kieseinfahrt), für Zirkus, Schattenspiel, das Singen und andere Lieblingsbeschäftigungen bleiben. Nur Schatzsuche wäre ja langweilig! Mit großem Körpereinsatz meistern die drei Schauspieler diese Kinderspiel, das auch Erwachsenen Spaß macht. Verdienter Applaus für eine fantasiereiche und kurzweilige Theaterstunde.
Nürnberger Nachrichten, Birgit Ruf, 4.10.2010